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          Madeira   Nordwest-Tour


Ein Tipp ist, nicht die Autobahn zu nutzen, sondern einfach den alten engen Serpentinen folgen. So entdecken Sie schnell das ursprüngliche Madeira mit seiner ganzen wunderschönen Vielfalt. An tiefgrünen Bananenpflanzungen u. Weinhängen vorbei erreicht man aus Funchal kommend nach ca. 15 km das Dorf Camaro de Lobos. Berühmt geworden ist der Ort durch Winston Churchill, er pflegte hier oft zu malen. Der Staatsmann hielt sich 1950 auf der Insel auf und residierte im legendären Reid’s Palace. Eine weitere Attraktion ist der Hafen mit den vielen bunten Fischerbooten. Westlich dieses Ortes liegt das berühmte Cap Girao, welches mit schwindelerregenden 580m die höchste Steilklippe Europas darstellt. Selbst ansonsten schwindelfreie Spezies  kribbelt es leicht in der Magengegend bei diesem atemberaubenden Blick in die Tiefe. Man kann sehr schön die Bucht von Funchal in der Ferne sehen. Bewundernswert ist die Kunst der Bauern, Terrassenfelder an den steilen Hängen anzulegen. Teilweise seilen sie sich ab zum Bewirtschaften, da es keine andere Zuwegung gibt. Der sehr fruchtbare Boden scheint wohl die Mühe wert zu sein.

Cabo Girao 580m Terrassenfelder

Nach Campanario erreicht man Ribiera Brava, ein wichtiger Ort, da er Verkehrsknotenpunkt im weiteren Sinne ist. Hier endet (vorläufig Stand 2005) die Autobahn von Funchal kommend.

Spektakuläres Ende der Autobahn bei Ribeira Brava alte Pass-Strasse nach Sao Vincente Tunnel als Ersatz für die Pass-Strasse

Nun kann man in mehrere Richtungen weiterfahren. Entweder immer an der Küste auf Meereshöhe entlang bis Calheta, oder parallel dazu in hunderte Meter Höhe auf der in den Fels gehauenen Bergstraße über Ponta do Pargo bis Porto Moniz. Als dritte Möglichkeit  nimmt man die Querverbindung über die Inselmitte nach Sao Vincente. Wer es hier eilig hat, nutzt den neuen Tunnel durch das Bergmassiv. Mehr zu sehen bekommt man aber, wenn man auf die alte Pass-Straße abbiegt. Diese führt imposant in unzähligen Serpentinen bis auf 1007m Höhe bei Encumeada und dann wieder abwärts bis Sao Vincente. Dieser Pass bei Encumeada ist auch die Wettergrenze zwischen der trockeneren Süd- und feuchteren Nordseite der Insel. Man fährt im strahlenden Sonnenschein den Pass hoch und oben ist alles im Nebel, die Abfahrt nach Sao Vincente kann im Dauerregen stattfinden. Hier oben sieht man sehr schön die Wettergrenze.

direkt am Pass u. der Wettergrenze direkt am Pass u. der Wettergrenze direkt am Pass u. der Wettergrenze

Die Charakteristik der Nordseite ist ganz anders, alles grüner u.  feuchter. In Sao Vincente lohnt ein Besuch der Grutas do Sao Vincente, ein ca. 700m langes Lavahöhlenlabyrint.  Es entstand vor 400000 Jahren bei dem letzten Vulkanausbruch auf Madeira.

Lavahöhle Lava vorgetäuscht Küste Sao Vincente

Sao Vincente bietet ein eigenartiges Küstenpanorama. Die Wolken prallen an die Berghänge und regnen ab. Über dem Meer scheint die Sonne.

 Küste Sao Vincente alte Strasse neben Tunnel alte Strecke

In Sao Vincente hat man ähnlich wie in Ribiera Brava wieder mehrere Möglichkeiten zu fahren. Richtung Porto Moniz gibt es die spektakulärsten Straßenführungen, Teile wurden schon durch Tunnel begradigt, sporadisch besteht noch die Möglichkeit, die alten engen Bergstraßen zu befahren, indem man vor den Tunneln einfach  abbiegt. Diese nördliche Küstenstrasse wurde erst um 1950 regelrecht in den senkrechten Fels gemeißelt. Bis dahin ermöglichten nur Bergpfade oder Boote die Verbindung zwischen den Siedlungen. In atemberaubender Kurvenfahrt geht es an Seixal vorbei. Immer wieder passiert man Felstunnel, die innen wie außen von Wasserfällen besprüht werden. Gelegentlich queren auch kleine Rinnsale die Strasse. Diese Kulisse ist schier unbeschreiblich, die Fotos geben den wahren Eindruck nur unvollkommen wieder. Irgendwann, es kommt einem ewig vor, erreicht man Porto Moniz.

Porto Moniz Brandung am Meeresschwimmbad

Egal wie man sich dem Örtchen nähert, der Blick vom rebenbepflanzten Bergrücken hinunter auf die leuchtend weiße Siedlung  am tobenden Atlantik ist einfach nur überwältigend. Man findet so langsam keine verbalen Steigerungsformen  mehr für all diese gigantischen Eindrücke. Ein Bad in dem berühmten Meeresschwimmbecken verschafft ein wenig Entspannung. Das Schwimmbad  ist eingebettet in Lavagestein, gelegentlich schwabbt mal ein ordentlicher Brecher der  meist starken Meeresbrandung über die Mauer und sorgt für eine heftige Dusche. Mit unserer Schnorchelausrüstung sind wir auf Entdeckungstour gegangen. Der kristallklare Atlantik verschafft einem wunderschöne Einblicke in  die Unterwasserwelt rund um Madeira.

Leuchtturm Ponta do Pargo

Ponta do Pargo heißt der westlichste Punkt Madeiras. Hier thront auf einer 375m hohen Klippe der gleichnamige Leuchtturm und weist der Schifffahrt den Weg um die Insel. Die Vegetation ist hier schon wieder etwas spärlicher als eben zuvor noch um Porto Moniz. Bis Calheta sind es ca. 21km, man braucht aber über eine Stunde für diese serpentinenreiche enge Straße. Calheta, einst Zentrum der Zuckerherstellung, besitzt das größte Wasserkraftwerk der Insel.

Calheta Badelagune Wasserkraftwerk Küstenstrasse bei Ribeira Brava

Viel interessanter ist die künstlich angelegte Lagune mit einem wunderschönen aufgeschütteten Sandstrand. Jetzt brauchen die Madeirenser nicht mehr neidisch zu ihrer Schwesterinsel Porto Santo rüberzuschauen, welche gleich  9km feinsten Strand am Stück zu bieten hat. Weiter geht’s auf der spektakulären Uferstraße, immer wieder durch tropfende Tunnel an Ponta do Sol vorbei bis nach Ribeira Brava. Für die 31 km bis Funchal kann man aus Zeitgründen auch die neue Autobahn nutzen. Wirklich erstaunlich, wie man es mit aufwendigen Tunneln u. Brücken geschafft hat, die Insel befahrbarer zu machen. Geplant ist ein Autobahnring um die Insel und eine Querverbindung von Nord nach Süd.