Madeira Nordost-Tour
Von Funchal aus verläuft die
Nordost-Tour ebenfalls bis Ribeira Brava und dann quer über die
Insel wieder bis Sao Vincente. Von Funchal bis Ribeira Brava kann
man sich nun aus Zeitgründen für die Autobahn entscheiden und den
neuen Tunnel unter dem Encumeada-Pass nutzen.

Es ist der längste und
spektakulärste Bergdurchbruch auf der Insel und erspart einem die
"Tortur" über den Pass. Eine dreiviertel Stunde Zeit gewint man,
die Fahrt durch die schlecht betlüftete, nicht enden wollende Röhre
empfinden viele aber als etwas unangenehm. In Sao Vincente biegt
man nun ab in Richtung Santana. Ca. 7 km folgt die E101 der Küste,
wiederum sehr spektakulär in den Madeirafels gemeißelt. Hinter Ponta
Delgada entfernt sich diese Strasse dann vom Meer. Dieses
Dorf mit ca. 2000 Einwohnern erstreckt sich von einer flachen
Landzunge bis in die Berghänge hinauf. Ein schönes Meerwasserschwimmbecken
vor atemberaubender Kulisse lädt zum Bade ein, sollte es dem erschöpften
Levadawanderer nach einer Abkühlung gelüsten. Das 2 km entfernte
genauso im Berghang hängende Dorf Boaventura (3000 Einwohner) liegt
inmitten tiefgrüner Weinfelder. Die beeindruckende Küstenstrasse
schlängelt sich in steilen Serpentinen um das Tal des Ribeira do
Porco, bevor sie bei Arco de Sao Jorge wieder die Küste erreicht.
Auf Grund des Wasserreichtums ist dieses Tal sehr fruchtbar und
wird intensiv für Obst- und Weideanbau (für die Korbflechterei)
genutzt. Ein Aussichtspunkt namens Ponta de Sao Jorge ist
einen kleinen Stopp wert. Von der Plattform lässt sich das wie immer
wunderschöne Küstenpanorama genießen. Hier hat man wirklich das
Gefühl, auf der Spitze eines unterseeischen Berges zu stehen. Der
Gedanke, dass es weitere 4000m unter Wasser bis zum eigentlichen
Meeresgrund sind, macht uns etwas nachdenklich. Wieder landeinwärts
geht es auf kurviger Landstraße und in ca. 8 km erreicht man das
hübsche kleine Städtchen Santana (ca. 10000 Einwohner).

Sicher hat ein jeder
Madeirainteressierte schon die kleinen bunten Santana-Häuschen (Casas
de Colmo) auf irgendwelchem Bildmaterial bewundern können. In Natur
sind sie sehr klein und beengt, unten befand sich der winzige Wohnraum
und im Spitzboden die Speisekammer, wo das gemahlene Getreide gelagert
wurde. Die Gegend um Santana ist sehr fruchtbar, in der 400m über
dem Meer gelegenen Ebene gedeihen wunderbar Obst, Getreide und Gemüse.
Wir setzen unsere Tour
fort und folgen der E 101 hoch über dem Meer bis Faial. Man
passiert auf diesem Teil zwei atemberaubende Aussichtspunkte (Miradouro),
wo besonders mit der Nachmittagssonne ein wunderschöner Blick auch
auf Santana zu erhaschen ist.

Faial mit seinen 1500
Einwohnern bietet vom Kirchplatz und einer Plattform oberhalb des
Ortes ein gigantisches Panorama. Der Blick schweift bei klarem Wetter
bis zur Halbinsel Punta de Sao Lourenco und mit Glück ist am Horizont
die Silhouette von Porto Santo zu erkennen.
Der berühmte Adlerfelsen
ist in Sichtweite, leider ist der Aufstieg sehr mühsam und auch
schwer zu finden. Dafür kann man hier frei wachsende Melonen entdecken.
Die Früchte gedeihen wie Kürbisse auf der Erde liegend. Das hätten
viele auch gern in ihrem Garten.

Südöstlich des Adlerfelsens
schmiegt sich das 3500 Einwohner große Dorf Porto da Cruz an eine
kleine felsige Kiesbucht. Auch hier bietet sich dem nach einem
Bade gelüstenden Reisenden die Möglichkeit, in dem Meeresschwimmbad
seiner Lust zu frönen. Am Strand sieht man die Schornsteine der
Zuckerfabrik, welche zur Zuckerrohrernte ihren Betrieb aufnimmt.
Die nordöstliche Küste wurde bislang mit Straßen noch nicht erschlossen,
so steil und unwegsam ist es dort. Um die Halbinsel Sao Lourenco
zu erreichen, fährt man die E 108 bis kurz vor Machico. Der Abzweig
Richtung Canical beschert einen landschaftlichen Kontrast der besonderen
Art. Das Grün wandelt sich in eine karge rot-gelbe Wüste mit Farnkraut
und Erika bewachsen. Canical (ca. 2000 Einwohner) war bis 1956 nur
per Boot oder zu Fuß erreichbar, seitdem verbindet ein Tunnel das
Dorf mit dem restlichen Straßennetz der Insel. Canical, einst Madeiras
Walfangzentrum musste sich 1981 umorientieren. Portugal unterzeichnete
das Washingtoner Artenschutzabkommen, seit dem ist der Walfang auf
Madeira Geschichte. Die Einrichtung einer Freihandelszone erhoffte
dieser Region ungeahnten Aufschwung. Es blieb bei der Hoffnung,
der neue Hafen und das Gewerbegebiet zog bis bis lang nur einheimische
Investoren an. Von Canical fährt man noch etwa 5km und erreicht
dann den südöstlichsten Zipfel Madeiras, die Halbinsel Ponta de
Sao Lourenco.

Die Straße endet bei
Porta da Abra, man passiert den bei den Madeirensern beliebten Sandstrand
Prainha und kann auf dem Aussichtspunkt Punta de Rosto Madeira mal
ganz anders kennen lernen. Rostbrauner Fels badet in tiefblauem
Atlantik, das Farbenspiel ist umwerfend schön. Wer eine Megazoomkamera
bei sich hat, kann einmalige Aufnahmen von Madeiras Stolz, dem Flughafen
Santa Catarina machen. Man befindet sich genau in der Einflugschneise
und kann die Kunst der Piloten genießen, diese riesigen Jets auf
diese flugzeugträgerähnliche Landebahn zu dirigieren.

Der Rückweg führt durch
Machico (13000 Einwohner), der zweitgrößten Stadt Madeiras. Hier
befindet sich auf Grund der geschützten Lage einer der Fischfanghochburgen,
aber auch Obst- und Weinanbau sind wegen der hervorragenden Bewässerungstechnik
stark ausgeprägt. Neu ist eine tolle Uferpromenade mit
zahlreichen
Lokalitäten. Der Rückweg führt am sagenumwobenen Airport vorbei
auf die Autobahn Richtung Funchal.
|